Audi in den USA auf dem Podium

Das spannende Duell der Diesel-Sportwagen von Audi und Peugeot hielt die Zuschauer auch bei der 13. Auflage des “Petit Le Mans”-Rennens in Road Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) in Atem. Mehr als sechs Stunden lang durfte Audi auf den zehnten Triumph beim amerikanischen Langstreckenklassiker hoffen. Doch nach einem ungewöhnlichen Zwischenfall musste blieb am Ende nur das elfte “Petit Le Mans”-Podium in Folge. 
Sechs Stunden lang wechselte die Führung vor einer Rekordkulisse zwischen Audi und Peugeot. Immer wieder konnten sich Dindo Capello, Tom Kristensen und Allan McNish mit dem Siegerwagen der diesjährigen 24 Stunden von Le Mans einen kleinen Vorsprung erarbeiten. Doch um 17:51 Uhr, exakt 6 Stunden und 11 Minuten nach dem Start des Rennens, musste der zu diesem Zeitpunkt Führende Dindo Capello einen außerplanmäßigen Boxenstopp einlegen, weil sich eine vom Reglement vorgeschriebene Einlage in seinem Helm löste und sich die feuerfeste Balaclava über seine Augen schob. Jeglicher Sicht beraubt, musste Capello den hinter ihm liegenden Peugeot vorbeilassen und im Blindflug langsam die Box ansteuern.

Das Audi Sport Team Joest versuchte anschließend alles, um die verlorene Runde wieder aufzuholen. Doch auch in den verbleibenden Stunden des Rennens bot sich dasselbe Bild wie zuvor: Die beiden Audi R15 TDI und die beiden Peugeot 908 fuhren vergleichbare Rundenzeiten und liefen absolut problemlos, so dass es unmöglich war, den Rückstand aufzuholen. Dindo Capello, Tom Kristensen und Allan McNish mussten sich schließlich mit dem dritten Platz begnügen.
 
Der zweite Audi R15 TDI mit Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Treluyer lag in der Anfangsphase auf einem aussichtsreichen dritten Platz. Durch einen kleinen Ausrutscher verlor Marcel Fässler zu Beginn der zweiten Stunde Rang drei an den zweiten Peugeot. Schwerwiegender war der Fehler, den André Lotterer eine Stunde später machte: Beim Versuch, in den schnellen “S-Kurven” ein LMP2-Fahrzeug zu überholen, geriet Lotterer neben die Strecke. Die Reparatur des vor allem im Bereich der Frontpartie stark beschädigten R15 TDI dauerte zwar nur 15 Runden, warf die Mannschaft der Startnummer “8” dennoch aussichtslos zurück. Vom 21. Platz konnten sich die Zweitplatzierten der 24 Stunden von Le Mans 2010 noch auf den sechsten Gesamtrang und Platz fünf in der LMP1-Kategorie nach vorne schieben.
 
Die Entscheidung im erstmals ausgeschriebenen Le Mans Intercontinental Cup (ILMC) fällt trotz des für Audi unglücklich verlaufenen US-Rennens erst beim Finale am 7. November in Zhuhai. Audi hat in der LMP1-Herstellerwertung 36 Punkte Rückstand. Insgesamt 48 Punkte werden in China noch vorgeben.
 
Stimmen nach dem Rennen
 
Dr. Wolfgang Ullrich (Audi-Motorsportchef): “Es ist schon sehr enttäuschend, weil wir heute eine wirklich gute Pace hatten, in den ersten sechs Stunden immer wieder in Führung lagen und die Möglichkeit hatten, das Rennen zu gewinnen. Leider hat eine lose Einlage im Helm von Dindo Capello dafür gesorgt, dass wir einen zusätzlichen Boxenstopp einlegen mussten, der absolut zum falschen Zeitpunkt kam. Wir haben eine Runde verloren – das war die Entscheidung.”
 
Dindo Capello (Audi R15 TDI #7): “Bis zu diesem blöden Problem mit dem Helm sah es perfekt für uns aus. Wir haben uns einen harten Kampf mit Peugeot geliefert. Es hat richtig Spaß gemacht, weil das Auto auch im Verkehr sehr gut fahrbar war. Doch dann begann der Albtraum. Ich habe erst gar nicht verstanden, was passiert. Ich hatte das Gefühl, dass der Helm plötzlich drei Größen größer ist als vorher. Wir haben später herausgefunden, dass sich die E-Ject-Einlage im Helm gelöst hat. Ich habe sogar noch Glück gehabt, keinen Unfall zu haben, denn in einer Kurve war ich komplett blind, weil der Helm über meine Augen rutschte. Auch nach so vielen Jahren kann man noch etwas Neues erleben. Es tut mir unheimlich Leid für das Team, dass wir durch so etwas ein besseres Ergebnis verloren haben.”
 
Tom Kristensen (Audi R15 TDI #7): “Ich denke, jeder wird zustimmen, dass die ersten 70 Prozent ein fantastisches Rennen waren. Nach der Bestzeit im Warm-up haben wir uns durchaus etwas ausgerechnet, auch wenn wir nicht die Schnellsten auf den Geraden waren. Und wir sollten Recht bekommen. Ich lag in meinen Stints in Führung. Doch dann kam das Pech mit Dindos Helm. Wir mussten unter Grün stoppen und haben eine Runde und die Chance verloren, bis zum Schluss um den Sieg zu kämpfen. That’s racing. Ich werde einfach die ersten 70 Prozent dieses Rennens in Erinnerung behalten.”
 
Allan McNish (Audi R15 TDI #7): “Petit Le Mans produziert immer gute Rennen. Auch heute haben die Fans wieder ein großes Rennen zu sehen bekommen. Unsere Jungs haben nach dem Unfall gestern mit dem Neuaufbau des Chassis einen tollen Job gemacht, denn das Auto war im Rennen richtig gut. Wir konnten mit den Peugeot kämpfen. Sie waren an einigen Stellen und in bestimmten Phasen des Rennens schneller als wir, aber auch umgekehrt. Leider mussten wir einmal außerplanmäßig an die Box, und anschließend kamen keine Gelbphasen mehr, die es uns ermöglicht hätten, die verlorene Runde wieder aufzuholen. Aber insgesamt waren wir heute voll konkurrenzfähig und haben Peugeot sicherlich etwas zu denken gegeben. Wir haben Selbstvertrauen gewonnen und wieder etwas dazugelernt, woran wir zuhause in Ingolstadt noch arbeiten müssen.”
 
Marcel Fässler (Audi R15 TDI #9): “Ich hatte einen guten Start und habe im Verkehr einen guten Rhythmus gefunden. Ich habe gesehen, dass Allan (McNish) gerade am Beginn noch viel aggressiver ist. Aber dafür muss man erst einmal ein Gefühl entwickeln. Für mich war das Rennen soweit okay, auch wenn wir mit den Zwischenfällen etwas Pech hatten. Wir müssen uns gegenüber der Konkurrenz noch verbessern. Aber wir haben eine gute Basis und wissen, wo wir an der Schraube drehen müssen.”
 
André Lotterer (Audi R15 TDI #9): “Ich wurde davon überrascht, dass der Porsche in der Senke etwas gebremst hat. Ich musste ausweichen und bin in den Dreck gekommen. Ich kam mit einem Rad auf den Randstein und anschließend ins Gras. Dabei wurde das Auto vorne ziemlich stark beschädigt. Es war dann relativ schwer, von dem Hügel wegzukommen. Zum Glück habe ich es geschafft. Das Team hat einen tollen Job gemacht, das Auto top und schnell zu reparieren. So konnten wir zumindest das Rennen beenden. Aber es tut mir sehr Leid, dass das passiert ist. Wir hätten gerne bis zum Ende um den Sieg gekämpft.”

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